Projekt-Nachweis-Checkliste

Freelancer-Portfolio von Grund auf aufbauen: 12 Fallstudien, die du ohne echte Kunden erstellen kannst

Ein Freelancer-Portfolio ist keine Sammlung „schöner Arbeiten“. Im Jahr 2026 erwarten viele Auftraggeber nachvollziehbare Belege dafür, dass du sauber denkst, unter realen Einschränkungen Entscheidungen triffst und Ergebnisse lieferst, die man einsetzen kann. Die gute Nachricht: Du kannst diese Belege aufbauen, ohne auf den ersten bezahlten Auftrag zu warten. Entscheidend ist, selbst initiierte Projekte so zu dokumentieren, dass sie glaubwürdig wirken, weil die Arbeit real ist: Recherche, ein klares Briefing, Iterationen und überprüfbare Resultate, die du erklären kannst.

Mit klarer Positionierung starten und ein Case-Format wiederholen

Bevor du etwas erstellst, entscheide, für wen dein Portfolio gedacht ist. „Für alle, die einen Freelancer brauchen“ ist zu breit. Wähle zunächst eine Richtung (zum Beispiel: Shopify-Texte für kleine Retail-Brands, UX Writing für SaaS-Onboarding, Paid Search für lokale Services, WordPress-Performance für Blogs). Ein fokussierter Einstieg sorgt dafür, dass deine Projekte zusammenhängend wirken statt zufällig.

Lege dann fest, wie „Beweis“ in deinem Bereich aussieht. Designer können Vorher/Nachher-Screens, Entscheidungsnotizen und Accessibility-Checks zeigen. Texter können Recherche-Notizen, Messaging-Frameworks und nachvollziehbare Annahmen zur Wirkung präsentieren. Marketer können Targeting-Logik, Tracking-Setup und ein Reporting-Dashboard dokumentieren. Developer können Commits, Tests, Doku und Performance-Benchmarks zeigen. So wirken Cases belastbar, auch ohne bekannte Markenlogos.

Nutze ein einheitliches Template für jeden Case: Kontext, Problemdefinition, Einschränkungen, Ziele, Vorgehen, Deliverables, Ergebnisse (oder realistische Zielwerte mit Methode) und ein kurzer Abschnitt, was du beim nächsten Mal verbessern würdest. Diese Konsistenz zeigt, wie du arbeitest – nicht nur, was du am Ende ablieferst.

Vier „ohne Kunde“-Cases, die real wirken, weil sie echte Probleme lösen

Case 1: Website- oder Landingpage-Audit. Wähle eine reale kleine Firma und analysiere öffentlich sichtbare Seiten: Klarheit, Vertrauenssignale, UX-Reibung, SEO-Basics und Ladezeit. Deliverables: eine Score-Checkliste, annotierte Screenshots und eine priorisierte Fix-Liste (Aufwand vs. Nutzen). Wichtig: transparent bleiben und erwähnen, dass es sich um eine unabhängige Analyse auf Basis öffentlicher Informationen handelt.

Case 2: Komplettes Rewriting eines Funnel-Schritts. Nimm eine Signup-, Pricing- oder E-Mail-Sequenz aus einer gängigen Kategorie und baue sie für ein konkretes Zielsegment neu auf. Deliverables: Messaging-Hierarchie, überarbeitete Texte und eine nachvollziehbare Begründung zu jeder Änderung (was entfernt, vereinfacht oder neu strukturiert wurde). Ergänze eine kurze „Risiko-Notiz“: Annahmen und welche Daten du in einem echten Projekt anfordern würdest.

Case 3: Redesign-Konzept mit Constraints. Statt freiem „Neudesign“ setzt du Regeln: Brand-Farben behalten, Content-Umfang nicht erhöhen, Accessibility verbessern, Schritte bis zur Conversion reduzieren. Deliverables: Wireframes, finale Screens und ein kurzer Decision-Log. Case 4: Dokumentations- oder SOP-Projekt. Erstelle ein Onboarding-Handbuch, einen Content-Workflow, eine QA-Checkliste oder Support-Makros – so geschrieben, dass ein Team es sofort anwenden könnte.

Cases wie echte Arbeit aufbauen: Briefing, Recherche, Iterationen, Belege

Ein starker Case beginnt mit einem Briefing – selbst wenn du es selbst schreibst. Definiere Scope, Zeitrahmen, Erfolgskriterien und klar, was nicht enthalten ist. Baue Einschränkungen bewusst ein: kleines Budget, begrenzte Dev-Kapazität, rechtliche Vorgaben oder ein festes Wording. Solche Grenzen machen Entscheidungen nachvollziehbar und verhindern unrealistische Versprechen.

Dokumentiere den Prozess wie in echten Projekten: Recherche-Notizen, Wettbewerbsbeobachtungen, typische Einwände der Nutzer, Content-Lücken und Optionen, die du verworfen hast (mit Gründen). Halte Versionen fest. Bei Texten: Outline → Draft → überarbeitete Version. Bei Design: Wireframe → Prototyp → final. Bei Code: Commits plus ein kurzes README. Auftraggeber kaufen oft Prozess-Reife, nicht nur ein hübsches Endergebnis.

Bei „Ergebnissen“ zählt Ehrlichkeit. Wenn du keine echten Conversions messen kannst, nutze saubere Proxy-Metriken mit Methode: bessere Lesbarkeit, weniger Schritte im Flow, Performance-Scores vor/nach Optimierung, SEO-Potenzial anhand von Keyword-Clustern oder Tracking-Qualität über Test-Events. Behaupte keine Umsatzsprünge ohne Daten; erkläre stattdessen, was du testen würdest und wie du Wirkung zuordnest.

Vier Cases, die Prozessqualität zeigen und trotzdem messbar bleiben

Case 5: Performance- und Core-Web-Vitals-Verbesserungsplan für eine WordPress-Seite (ideal: deine eigene Demo-Seite). Deliverables: Baseline-Messungen, Fix-Liste (Bilder, Caching, Skripte) und ein Retest-Report. Case 6: Tracking- und Analytics-Setup für ein Demo-Projekt. Definiere Events, Naming-Konventionen und baue ein Dashboard, das auch Nicht-Techniker lesen können.

Case 7: Mini-Content-Strategie. Wähle eine Nische, erstelle eine Topic-Map, gruppiere nach Suchintention und plane 4–6 Wochen Content. Deliverables: Keyword-Cluster, Seiten-Outlines, interne Verlinkungslogik und eine redaktionelle QA-Checkliste. Case 8: Brand-Voice- und Messaging-Kit. Deliverables: Voice-Regeln, Do/Don’t-Beispiele, Beispiel-Headlines, Microcopy-Bibliothek und ein kurzes Positioning, das über Kanäle konsistent bleibt.

Damit diese Cases „kundenfertig“ wirken, verpacke Deliverables wie echte Übergaben: ein sauberes Briefing als PDF, ein Sheet, ein Figma-Link, ein Repo oder ein strukturiertes Dokument. Ergänze pro Case eine kurze Handover-Notiz: Was bekommt ein Kunde konkret und wie lange dauert das unter realistischen Bedingungen.

Projekt-Nachweis-Checkliste

Sauber veröffentlichen, Glaubwürdigkeit zeigen und aus dem Portfolio Aufträge machen

Benenn deine Projekte korrekt. Nutze klare Labels wie „selbst initiiertes Projekt“, „Spec Case“ oder „unabhängiges Audit“. Diese Transparenz schützt deinen Ruf – und zeigt trotzdem Kompetenz. Wenn du reale Unternehmen erwähnst, nutze keine privaten Daten, tu nicht so, als hättest du für sie gearbeitet, und kopiere keine geschützten Designs. Konzentriere dich auf nachvollziehbare Verbesserungen und eigene Artefakte.

Du kannst Glaubwürdigkeit auch ohne Testimonials aufbauen: Peer-Review (Feedback eines anderen Freelancers), ein kurzes Walkthrough-Video, eine dokumentierte Methodik oder kleine Tests auf deinen eigenen Assets (Newsletter, eigene Seite, Demo-Shop). Wenn du ein kostenloses Pilotprojekt machst, behandle es wie bezahlte Arbeit: klarer Scope, Timeline, formale Übergabe.

Verbinde das Portfolio direkt mit Outreach. Jeder Case sollte mit einem klaren „Wenn du dieses Problem hast, helfe ich so…“-Absatz enden – plus einem realistischen Angebot (Audit, Rewriting, Redesign-Sprint, Tracking-Cleanup). Preise gehören nicht zwingend in den Case, aber Grenzen schon: was du lieferst, wie lange es dauert und welche Infos du zum Start brauchst.

Vier Cases, die gezielt zu Anfragen führen können

Case 9: Vorher/Nachher-Optimierung eines Onboarding-Flows für ein fiktives SaaS. Deliverables: User-Journey-Map, überarbeitete Screens oder Texte und ein Testplan (welche Metriken, welche Stichprobe). Case 10: Cold-E-Mail plus Landingpage als Paket für eine konkrete Dienstleistung. Deliverables: Sequenz, Landingpage-Text, Einwandbehandlung und Tracking-Plan für Sign-ups.

Case 11: Mini-Rebrand für ein einfaches Szenario (z. B. lokales Café oder Coach). Deliverables: leichte Logo-Regeln, Typografie, Farbregeln und ein 1-seitiger Styleguide, den man wirklich umsetzen kann. Case 12: „Crisis Fix“-Case. Nimm ein chaotisches Setup (langsame Seite, unklare Preise, inkonsistente Tonalität, kaputtes Tracking) und zeige, wie du triagierst, priorisierst und die Basics innerhalb einer Woche stabilisierst.

Wenn du diese 12 Cases über 6–10 Wochen aufbaust, hast du am Ende ein Portfolio, das wie echte Arbeit liest: klare Nische, wiederholbares Format, ehrliche Belege und eindeutige Services. Genau diese Kombination macht ein Portfolio nützlich – für Auftraggeber und für dich, weil sie deine Skills in eine nachvollziehbare Geschichte übersetzt.